• „Design ist für uns schon wichtig, kann aber nebenbei gemacht werden“
  • „Pixelschieben ist doch nicht so schwer“
  • Hier ein paar Farben und dann passt das schon!“

Diese drei Aussagen spiegeln die unterschiedlichen Meinungen zu den Themen User Experience (UX) und User Interface (UI) seitens Projektleiter, Kunden und auch innerhalb der Entwickler wieder. Wieso man die Thematik nicht einfach pauschalisieren sollte, möchte ich anhand von einigen Beispielen in diesem Blogbeitrag erläutern. Zunächst werde ich die Begriffe UX / UI allgemein verständlich definieren und darauf aufbauend die Vorteile der Verwendung in Projekten aufzeigen.

UX – User Experience (dt. Nutzererlebnis/-erfahrung) befasst sich mit der erlebten Interaktion der Nutzer mit einem Produkt. Hierbei werden die Fragen nach dem „wie“, „warum“, „wann“ und „wo“ für das gesamte Produkterlebnis geklärt bzw. analysiert.

UI – User Interface (dt. Benutzerschnittstelle) befasst sich mit der jeweiligen Darstellung oder Oberfläche eines Produktes, welche dem Kunden zur Interaktion bereitgestellt wird. Die sinnvolle Gestaltung, richtige Wahl von Farben und Fonts sind Ausschnitte der vielen Aufgabengebiete. Diese unterliegen dem Ziel den Charakter eines Produktes zu vermitteln.

UX und UI sind zwei getrennte Aufgabenbereiche, welche sich ergänzen und in der Praxis oft von einer einzelnen Person übernommen werden.

Kommen wir nun von der allgemeinen Definition auf die Sicht eines laufenden oder anstehenden IT Projektes. Wieso sollte man aktiv einen vorausblickenden UX-Designer in den Projektablauf einplanen, schließlich hat es in der Vergangenheit auch immer ohne einen funktioniert?

Doch eins vorweg: Wer Prozessoptimierungen sowie Zeitersparnisse z. B. für Mitarbeiter erzielen möchte und Kosten reduzieren will, der sollte aufgeschlossen zum Konzept UX / UI sein, um heutzutage wettbewerbsfähig zu bleiben. Natürlich gibt es noch viele weitere Vorteile, die man hier nennen kann. Um jedoch den Fokus nicht zu verlieren und den Rahmen nicht zu sprengen, werde ich mich in diesem Blogbeitrag den Aspekten Zeitersparnis, Wettbewerbsfähigkeit und Kostenreduktion widmen.

Zeitersparnis durch UX:

Kontaktloses Bezahlen, Fingerdruck Login/Payment, QR Code Tickets, Amazon Dash Button, Online Post Frankierung, Bestellungsannahme und Ausgabeoptimierung in Fast-Food Ketten u. v. m.

„Zeit ist Geld“, dieses Sprichwort wird niemals alt und ist eines der am stärksten spürbaren Effekte von gut geplanter UX. Dem Nutzer Zeit zu ersparen und dabei mehr Geld zu machen sind schon immer Wünsche von gewinnorientierten Unternehmen gewesen. Der zeitliche Aspekt war bzw. wird immer wichtig sein und kann durch UX optimiert werden. Zeitersparnisse können z. B. durch die Verbesserung und Reduzierung von Prozessschritten oder anhand von selbsterklärenden Interaktionsflächen erzielt werden.

Beispiele:

  • Im E-Commerce die Abwicklung von Bestellungen
  • Kontaktloses Bezahlen
  • Fingerdruck Login/Payment
  • QR Code Tickets
  • Amazon Dash Button
  • Online Post Frankierung
  • Bestellungsannahme und Ausgabeoptimierung in Fast-Food Ketten
  • u. v. m.
Abbildung 1: Kontaktloses Bezahlen u.a. für das schnelle Bezahlen

Wirkung von gut umgesetzter UX:

  • Mitarbeiter können Ihre Prozesse schneller abarbeiten
  • Zufriedenheit von Mitarbeitern/Kunden wird gesteigert
  • Dem Kunden werden Kaufhürden genommen
  • Kaufabschlüsse können maximiert werden
  • Auslastung von Prozessen wird durch die Optimierungen erhöht

Steigende Wettbewerbsfähigkeit durch UX:

Um sich anhand von durchdachter UX vom Markt abheben zu können, spielt neben dem Kundenerlebnis mit dem Produkt auch das visuelle Design eine große Rolle. Es sollte allerdings klargestellt sein, dass gutes Design als alleinstehendes Merkmal nicht entscheidend ist. Grundsätzlich kann man sagen, dass UX auch ohne eine schöne UI auskommt. Dreht man den Spieß um, merkt man, dass eine schöne UI ohne gute UX von Kunden eher als nervig erachtet wird. Niemand verwendet eine schönaussehende Anwendung, wenn er diese nicht richtig versteht und somit nicht verwenden kann. Eine dem Zweck dienende Anwendung, welche jedoch visuell nicht ansprechend ist, verwenden wir im Regelfall trotzdem

UI ist dennoch ein wichtiger Bestandteil einer Anwendung. Zum einen für die allgemeine Wahrnehmung und zum anderen um das Potenzial eines Produktes auszuschöpfen. Als gutes Beispiel hierfür gilt die „Sendungsverfolgung der DHL. Die entstandene Transparenz und gestiegene Kundenzufriedenheit führte nämlich zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Paketlieferanten. Mittlerweile erachtet man diesen Service als gegebenen Standard, jedoch mussten hier alle Konkurrenten diesen Schritt im Nachgang gehen.

Kostenreduktion durch UX:

Entwicklungskosten können durch die Unterstützung eines UX-Experten in Projekten reduziert werden. Visuelle Prototypen, welche zu Beginn eines Projektes eingesetzt werden, können durch Revisionen frühzeitig auf mögliche Risiken eingehen bzw. Fragen aufwerfen. Kostenaufwendige Entwicklungsmissverständnisse, nachträgliche Änderungen oder schwerwiegende Architekturprobleme, welche mehrere Arbeitstage Entwicklungszeit in Anspruch nehmen, können somit vermieden werden. Ersetzt werden kann auch die aufwendige Entwicklung von codebasierten Prototypen, welche meist zu Beginn eines Projektes wieder weggeworfen werden. Die Umsetzung von visuellen Prototypen geht dahingehend wesentlich schneller, vermitteln dem Kunden visuell wie sich die App anfühlen könnte und bieten für die ersten Feedbackrunden eine perfekte Grundlage.

Abbildung 2: Adobe XD visueller Prototyp

Projektunterstützung:

Produktvorstellungen, die visuell aufbereitet sind, werden von Kunden vergleichsweise anders wahrgenommen und als professioneller erachtet als stumpfe schwarz-weiß Folien über die Theorie, beispielsweise von Navigationspattern innerhalb einer App. Wie das moderne Marketing in jeder Branche zeigt, gehört der visuelle Faktor bei Entscheidungen dazu. Wieso also bei der IT das Rad neu erfinden und nicht auf bekannte Techniken zurückgreifen? Als Beispiel können vor Beginn eines Projektes, um das Vertrauen zum Kunden aufzubauen, Mockups der jeweiligen App oder Software als unterstützende Vermittlungsform verwendet werden.

Zusätzlich können die erstellten Mockups als Designvorlagen für Entwickler bereitgestellt werden. Diese können aus den Dokumenten die Farbcodes oder Layouts entnehmen sowie direkt Fragen dazu stellen. Für die Entwickler wird der Schritt des „wir denken uns die Oberfläche aus“ erspart und die Entwickler wissen was Sie zu tun haben. Ein positiver Nebeneffekt ist zudem, dass die Entwickler grundlegende Layouts und Regeln von Design anhand der bereitgestellten Vorlagen unterbewusst erlernen.

Abbildung 3: Adobe XD Entwickler-Sicht auf einen Prototyp

Fazit

„Pixelschieben“ ist grundsätzlich nicht schwer, HTML und CSS gehören zu den schnellsten erlernbaren Sprachen. Es existieren aber Unterschiede zwischen „ich verändere die Textfarbe eines Labels“ und „ich designe ein responsives Bestellprozesslayout“. Erfahrungen über UX und UI sind bei reinen Software-Entwicklern selten anzutreffen, da die Thematik UX durch die fehlende Erfahrung in den eigenständigen Bereichen nicht verankert ist. Deshalb ist es wichtig UX Experten zur Unterstützung zu nutzen, um die Prozesse und das „Look and Feel“ von Produkten zu optimieren. Wer erfolgreich Produkte entwickeln und hierbei gewinnbringend auf dem Markt agieren möchte, muss sich schlussendlich mit UX befassen. Die Notwendigkeit steigt im Zuge der zunehmend aufkommenden Problemstellungen im Alltag und so nimmt auch die Bedeutung des UX / UI Beraters immer weiter zu.

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