Die wohl größte Neuerung in APEX 5 stellt das Universal Theme dar. Gemäß dem Prinzip one size fits all soll die früher umfangreiche Galerie an Themes in Oracle Application Express nun durch dieses Theme ersetzt werden. Die großen Stärken dieses Themes sind vorallem das Responsive Design und die hohe Anpassbarkeit. Neben dem Universal Theme ist jedoch weiterhin das für mobile Endgeräte optimierte Theme APEX mobile auswählbar. APEX Entwickler stehen nun vor der Fragestellung, wann sie welches der beiden Themes nutzen sollen. Dieser Beitrag schafft eine Grundlage zur Beantwortung eben dieser Fragestellung.

„If you don’t have a mobile strategy, you don’t have a future strategy.“ (Eric Schmidt, Google Executive Chairman)

Laut Studien der IDC arbeitet aktuell mehr als jeder zweite Mitarbeiter in Deutschland zumindest teilweise mobil. Hierdurch steigt die Anforderung, dass Geschäftsprozesse mobil verfügbar sein müssen und den Nutzern ein ortsunabhängiger Zugriff ermöglicht wird. Desweiteren soll die Nutzung möglichst komfortabel sein, um eine Steigerung der Effizienz und Zufriedenheit der Nutzer zu gewährleisten.
In Oracle Application Express 5 haben Entwickler die Wahl zwischen zwei Ansätzen:
screenshot-379

Das Universal Theme

bild1
Das Universal Theme (UT) ist in APEX 5 neu hinzugekommen und stellte für APEX Anwendungen eine kleine „Revolution“ dar: Das Design der Anwendungen ist einfach anpassbar und die Anwendungen sind auf verschiedenen Bildschirmgrößen ohne weiteres nutzbar. Das UT basiert auf den neuesten Standards der Webentwicklung wie HTML5 und CCS3. Desweiteren wurden die Icons von Font Awesome in das Theme integriert, damit die Entwickler ohne zusätzliche Ressourcen mit Icons ihre Anwendungen ansprechender gestalten können. Die Optik des UT wird dabei an das Material Design von Google angelehnt, was dem Universal Theme einen flachen und modernen Look verleiht. Die Anpassbarkeit des Themes wird besonders durch den Theme Roller und die Template Options gewährleistet. Der Theme Roller ermöglicht die Anpassung der Komponenten mit einer Live Vorschau über die gesamte Anwendung hinweg. Hier können vor allem Farben und Abstände zwischen Elementen einfach angepasst werden. Template Options ermöglichen es hingegen, konkrete Komponenten anzupassen. Hier sind je nach Komponente zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten verfügbar, wodurch in den meisten Fällen eine deklarative Anpassung des Interfaces ausreicht. Das Responsive Design sorgt für die Anpassung auf verschiedenen Geräten. So wird bspw. automatisch die Navigationsleiste reduziert oder ausgeblendet, Schriftgrößen passen sich an und Komponenten werden anders angeordnet. Die Anordnung wird über das sog. Grid Layout gesteuert, was für APEX 5 grundlegend überarbeitet wurde. Dadurch ist es möglich, dass automatisch ermittelt wird, ob Komponenten bei kleineren Bildschirmen nebeneinander passen oder übereinander dargestellt werden müssen. Dieses Responsive Verhalten bringt einige Vorteile mit sich, ist jedoch noch fehleranfällig. Auf mobilen Geräten konnten besonders Schwierigkeiten im Hinblick auf Interactive Reports, Tabular Forms oder Map Charts festgestellt werden.

APEX mobile

bild2
Auf der anderen Seite steht APEX mobile. Dieses Theme wurde bereits 2012 eingeführt und zeichnet sich durch einen gesteigerten Fokus auf Performance und Stabilität aus. Es ist weitaus leichtgewichtiger als das UT, was die Ladezeiten verkürzt. Außerdem basiert das Theme auf jQuery mobile. Dadurch ist es mit allen gängigen Browsern und Geräten kompatibel und vermittelt das Look & Feel einer App. Seiten können durch AJAX-Seitenaufrufe schneller geladen werden, da nur ein Teil der Seite abgerufen werden muss. Dadurch baut sich auch die Seite nicht bei jedem klick neu auf. Der größte Vorteil dieses Themes ist die Verfügbarkeit spezieller mobiloptimierter Komponenten. List View, Reflow Report und Column Toggle Report sind besonders für die Portrait-Ansicht von Smartphones optimiert, da hier oft die Anzeige mehrerer Spalten zum Problem werden kann. Desweiteren stehen dem Nutzer Touch-optimierte Formelemente sowie die Nutzung von Touch Events zur Verfügung, was die Navigation erheblich vereinfachen kann. Der entscheidende Nachteil: Es müssen zwei Anwendungen entwickelt werden: Eine Desktop Anwendung (UT) und eine mobile Anwendung (APEX mobile). APEX mobile ist auf dem Desktop zwar lauffähig, jedoch nicht hierfür optimiert, wodurch der Mehraufwand der doppelten Entwicklung oft unumgänglich wird. Außerdem sind nicht alle Komponenten aus dem Universal Theme auch in APEX mobile verfügbar, wodurch z.B. auf den Interactive Report verzichtet werden muss.
 

Was nehme ich nun?

Wie so oft ist die Antwort „It depends.“. Zunächst sollten Sie genau betrachten, welche Komponenten für Ihre Anwendung unersetzlich sind. Dies gibt schon eine Richtung vor. Außerdem kommt es darauf an, ob Design (–> UT) oder Funktionalität und Performance (–> APEX mobile) im Vordergrund Ihrer Anwendung stehen. Zusätzlich wird der Aufwand eine Rolle spielen. Bei beiden Lösungen kommen Sie höchstwahrscheinlich nicht um Testen und Customizing herum. Hier muss abgewägt werden, ob es einfacher ist, das Universal Theme anzupassen oder eine separate mobile Anwendung zu pflegen.

Und was ist mit APEX 5.1?

Das neue Release von APEX wird verstärkt das Universal Theme optimieren. Besondere neue Features sind hier das Interactive Grid, die Einbindung von Oracle JET als Charting Engine und Master Detail Detail Seiten. Auf APEX mobile wartet hier ebenfalls Oracle JET und auch die Unterstützung des Theme Rollers, der bislang nicht deklarativ für dieses Theme nutzbar war. Jedoch scheint es so, als würde Oracle stärker das Universal Theme weiterentwickeln und APEX mobile lediglich langsam nachziehen. Neue Features werden primär für das UT entwickelt. Daher bleibt die o.g. Empfehlung bestehen: Wägen Sie die Anforderungen in Ihrem speziellen Anwendungsfall genau ab und schauen Sie, was einen annehmbaren Aufwand bedeutet und gleichzeitig später eine hohe Nutzerzufriedenheit ermöglichen kann.
 

Sie wollen mehr zu dem Thema erfahren?

Auf der jährlichen DOAG Konferenz werde ich gemeinsam mit Davide Groppuso einen Vortrag zu diesem Thema halten und noch auf weitere Details eingehen. Falls Sie ebenfalls an der Konferenz teilnehmen, schauen Sie doch in unserem Vortrag vorbei!
Unterlagen hierzu werden nach der Konferenz in dem Blog freigeschaltet. Desweiteren wurde ein ausführlicherer Artikel zu diesem Thema von mir im RedStack Magazin veröffentlicht. Diesen erhalten Sie hier kostenfrei zum Download.

Tags:

Keine Kommentare vorhanden.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.