Fast alle Entwicklungsprojekte sind agil und brauchen deshalb einen Product Owner. Ich bin bereits in vielen agilen Softwareentwicklungsprojekten gewesen und habe die Rolle des Product Owners angenommen. Dadurch konnte ich Erfahrungen sammeln, die ich gerne hier teilen möchte.
Immer wieder stellt sich die Frage, wie man gute Software Produkte mit motivierten und engagierten Mitarbeitern in kurzen Zyklen erzeugen kann. Nicht zwangsläufig, jedoch häufig, ist die Antwort: mit Hilfe von agilen Methoden. Diese agilen Methoden schließen nicht nur das Produkt selbst ein, sondern weisen auch der Arbeitsweise der Mitarbeiter eine wichtige Rolle zu. So zeigt meine Erfahrung, dass Selbstorganisation und Eigenverantwortung zu schlankeren Prozessen und flexibleren Lösungen führt.
Agile Entwicklungsmethoden wie die SCRUM Methode erfordern in der Steuerung daher nicht mehr den klassischen Projektmanager. Vielmehr wird dieser heute ersetzt durch den Product Owner, der nicht nur Leidenschaft und Begeisterung für das Produkt mitbringt, sondern gleichzeitig im Projektalltag Anwalt, Therapeut, HR-Manager, Präsentator, Verkäufer und Seelsorger in einer Person ist.
Die Arbeit mit Menschen, seien es Stakeholder wie Kunden, Management, das Entwicklungsteam oder auch andere Product Owner, die an Produktfeatures interessiert sind, erfordert besonders im Rahmen agiler Methoden transparente und ehrliche Kommunikation. Das bedeutet,  Verlässlichkeit und Ehrlichkeit in der Kommunikation – auch, wenn etwas nicht so läuft wie ursprünglich geplant. Darüber hinaus sollte man für jeden Stakeholder weitere Erwartungen erfüllen. Der Projektplan mit der genauen Aufgabenverteilung innerhalb des Teams oder die Roadmap für die Software ist natürlich für den Kunden von hoher Bedeutung, aber auch andere Product Owner können hierdurch eine höhere Planbarkeit ihrer eigenen Produkte erreichen, da sie wissen, wann welche Features verfügbar sein werden. Für das Management kann es hingegen ausreichend sein, wenn jederzeit der Status der Produktentwicklung verfügbar ist, dazu zählt auch die jeweils aktuelle Roadmap, aus der sich die Produktvision ablesen lässt. Wichtig ist auch ein belastbares Risikomanagement, sodass das Ziel beispielsweise bei Ausfällen im Team durch Krankheit oder bei unerwarteten Herausforderungen trotzdem erreicht werden kann.

Common Sense als Grundlage für funktionierende Teamarbeit

Grundsätzlich ergeben sich im täglichen Leben Regeln, die jeder kennt und die für eine funktionierende Teamarbeit unabdingbar sind. So auch in agilen Projekten. Diese bewusst einzusetzen schafft Vertrauen und Respekt. Wächst das Team um weitere Mitglieder, dann ist das erste Gespräch die Grundlage für die Zusammenarbeit und führt zu größerem gegenseitigen Verständnis. Der Product Owner muss in seiner Rolle bestimmte Prinzipien vertreten, die er gegenüber dem Team im Projektalltag auch umsetzt. Hierbei ist es sinnvoll, von Anfang an die Erwartungen beider Seiten zu klären: „Du bist der Experte, ich vertraue Dir“. Diese Prinzipien können in folgenden beispielhaften Leitsätzen zusammengefasst werden.

  • „Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass du Verantwortung für die Stories übernehmen kannst“
  • „Siehst du etwas, was nicht gut ist, sag es mir, damit wir es verändern können“
  • „Sehe ich etwas, was nicht gut ist, sage ich es dir“
  • „Geht etwas schief oder funktioniert etwas nicht, sag es mir, damit ich dich schützen kann und Management und Kunden Transparenz erhalten“
  • „Deine Expertenmeinung ist meine wichtige Entscheidungshilfe, ich vertraue darauf“
  • „Tut dir jemand etwas Gutes, sprich darüber“
  • „Tust du etwas Gutes, sprich darüber“

Product Owner als Bindeglied zwischen Kunde und Team

Der Product Owner ist Anwalt, für das Team und für den Kunden. Er versteht die Anforderungen und Problemstellung des Kunden. Er trägt diese zusammen und übergibt sie strukturiert und verständlich an die Entwicklung. Er steht stets schützend vor dem Team, sodass kein Kunde den Product Owner umgehen und Aufträge direkt an ein Mitglied des Teams reichen kann. Er ist damit die Anlaufstelle und der Überbringer von guten wie auch schlechten Nachrichten, sodass das Team zu jeder Zeit im Projekt geschützt bleibt.

Motivation schaffen

Kann man einen Menschen motivieren? Meine Erfahrung zeigt, dass nur Motivation, die von innen kommt, letztlich nachhaltig bestehen bleibt. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet, gilt es auch in agilen Projekten Wege zu finden, das Team nicht nur zu überzeugen, sondern sogar Begeisterung für das Produkt zu schaffen.
Mein Weg beginnt mit der tiefen Überzeugung, dass der Mensch stets mit Respekt und Vertrauen zu behandeln ist. Vor diesem Hintergrund gebe ich beispielsweise keine Aufgaben in das Team, sondern ich delegiere Verantwortung für Ergebnisse. Ich schaffe und schütze dabei den Raum, der für die Teammitglieder nötig ist, um sinnvolle Lösungen zu schaffen. Damit die Motivation der Teammitglieder auch bestehen bleibt, ist es wichtig, dass ich auch als Ansprechpartner und Seelsorger fungiere. Dies bedeutet, dass ich mir Zeit reserviere, um für das Team jederzeit verfügbar zu sein. Wichtig ist außerdem, dass ich verlässlich bin und dafür sorge, dass das Team jederzeit die Informationen erhält, die für das produktive Arbeiten und ein Vertrauensverhältnis notwendig sind. Ich aktualisiere die Strategie und weise dem Team die Richtung.

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