Und plötzlich wird das Home zum Office

Das Arbeiten in Zeiten von Corona bringt sowohl neue Herausforderungen als auch Chancen mit sich. In jedem Fall eine ganze Menge Änderungen.

Seit Mitte März sitzen ich und die Kolleg:innen im Homeoffice. Der „Umzug“ hat technisch reibungslos funktioniert. Meine Anfrage bezüglich der Tätigkeit von Zuhause wurde umgehend bejaht. Kurze Zeit später folgte die offizielle E-Mail vom Vorstand mit der Bitte alle Veranstaltungen nach Möglichkeit online abzuhalten und die Tätigkeit auf „remote“ zu ändern. Diese „Homeoffice-first“-Politik hält bis heute an.

Was in den letzten Wochen passiert ist, aber vor allen Dingen meine Erkenntnisse daraus möchte ich in kurzen Tipps zusammenfassen:

Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation

In Krisen- und Homeoffice-Zeiten hat sich die Kommunikation stark verändert. Gespräche zwischen „Tür und Angel“ oder an der Kaffeemaschine finden nicht mehr statt. Die Informationen müssen dennoch übermittelt und die Bedürfnisse nach sozialer Interkation gestillt werden. Es ist daher wichtig, alle Ebenen einzubeziehen. Corona-Updates des Vorstands können helfen die Strategie und mögliche -änderungen so transparent zu machen. Rückfragen können z.B. über öffentliche Online-Konferenzen beantwortet werden. Auch interne Umfragen helfen dabei die relevanten Inhalte und die richtige Frequenz in Bezug auf die Informationsversorgung der Mitarbeiter zu finden. Platz für Privates bieten virtuelle Mittagspausen oder Team Meetings ohne strikte Agenda.

Planbarkeit des Unplanbaren

Es ist unbestritten, dass Unternehmen Verantwortung gegen über ihren Arbeitnehmer:innen haben und diese in ihren getroffenen Maßnahmen berücksichtigen müssen. Gerade für Mitarbeiter:innen mit Kindern ist Planbarkeit enorm wichtig, denn andere Unsicherheiten wie Kita und Schule bestimmen des Alltag vieler Familien. Aus diesem Grund kann es sehr sinnvoll sein Homeoffice-Regelungen so lange wie möglich, mindestens auf freiwilliger Basis aufrecht zu erhalten. Auch verhindert dieses Vorgehen, dass das eigene Unternehmen selbst zum Infektions-Hotspot wird und kurzfristig wieder komplett schließen muss.

Mitarbeiter:innen brauchen Platz für individuelle Belange

Nicht nur der Arbeitsort spielt eine Rolle bei der Gestaltung des Alltags. Auch die Arbeitszeit muss flexibler werden. Meetings, die für 6:30 Uhr angesetzt werden und bei denen verlangt wird, dass jeder in „Business-Dress“ vor der Kamera zu erscheinen hat, sind weder produktiv noch sinnvoll. Sie verdeutlichen lediglich, dass den Mitarbeiter:innen kein Vertrauen entgegengebracht wird. Diese falsche Machtdemonstration wird langfristige Folgen haben, denn Arbeitnehmer:innen merken sich wer sie in der Krise wirklich unterstützt hat. Besser ist es die Leistungen am Outcome, also konkreten Arbeitsergebnissen, festzumachen. Diese müssen mit einem, der Krise angepassten, realistischen Leistungsniveau erreichbar sein. Für die Festlegung braucht es Vertrauen, das gefördert wird, in dem man Mitarbeiter:innen wie erwachsenen, verantwortungsbewussten Menschen, auf Augenhöhe begegnet.

Mit oder ohne Kinder – ist das wirklich die Frage?

In Corona-Zeiten wird noch deutlicher, dass Lebensumstände immer individuell sind. Jeder geht mit der Situation unterschiedlich um und hat unterschiedliche Faktoren im direkten Umfeld, die von der Krise betroffen sein können oder auch nicht. Der Unterschied zwischen einer Vollzeitbeschäftigung mit und ohne Kind(er) ist enorm und so offensichtlich wie noch nie zuvor. Insgesamt sind die beruflichen und privaten Belastungen, auch durch Faktoren, die nicht bewusst sind, außerordentlich. Die psychische und physische Gesundheit von Mitarbeiter:innen kann nur durch ein rücksichtsvollen Umgang aufrechterhalten werden. Obwohl der Ton von Führungskräften vorgegeben wird, ist das Teamwork! Jeder hat genau 24 Stunden pro Tag und ein Vergleich von Arbeitskolleg:innen entzieht sich nicht nur jeder Grundlage, sondern ist obendrein unsinnige Zeitverschwendung. Wir müssen uns bewusst sein, dass jeder gerade nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet. Dazu gehört auch das Vertrauen der Führungskräfte in ihre Mitarbeiter und ein Zielsystem, das sich den Gegebenheiten anpasst bzw. anpassen lässt.

Und was kann jeder für sich tun?

  1. Strukturen, die motivieren sind wichtig, um gut arbeiten zu können. Es können Tageszeiten, -pläne, ToDo-Listen, Listen mit geschafften Aufgaben oder nichts dergleichen sein. Erlaubt ist was hilft.
  2. „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens,“ (John Steinbeck) lässt sich in Corona-Zeiten übersetzen mit: Bildschirme aus und raus in den Sonnenschein!
  3. Auch Kinder haben aktuell Homeoffice! Daher kann es ratsam sein in Meetings ein wenig Zeit einzuplanen, um auch Kindern den nötigen Raum zu bieten. Je nach Altern ziehen sie Grimassen in die Kamera oder zu erzählen gerne wie es ihnen geht. Häufig verlieren sie danach schnell die Lust und ziehen sich wieder zurück.

Mein Fazit

Es hat sich einiges in kürzester Zeit geändert. Offensichtliche und technische Änderungen sind meist schnell umgesetzt. Es ist wichtig auch für die Umschwünge Platz zu lassen, die subtiler sind und daher mehr Zeit brauchen, bis sie bemerkt werden. Daher ist Flexibilität, Rücksicht, Kommunikation und Geduld auf allen Seiten gefragt, um die Krise bestmöglich zu überstehen.

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